Die Glaserei kann weiterleben
Mindelheimer Zeitung 26.02.2010 18:45 Uhr
Mindelheim Wenn Michael Haid senior von seinem Beruf als Glasermeister spricht, ist ihm die Liebe dazu anzumerken. Schließlich ist er mit dem Handwerk aufgewachsen. „Da hängt man schon dran“, sagt der 68-Jährige. Umso schwerer muss es ihm fallen, seine Werkstatt nach 33 Jahren zum 1. April dieses Jahres an einen Nachfolger zu übergeben. Doch er und sein Sohn Michael wollen sich künftig verstärkt auf ihr Fachgeschäft in der Mindelheimer Innenstadt konzentrieren. „Man kann einfach keine zwei Betriebe führen“, so Haid senior.
Die Werkstatt hat eine mehr als 100-jährige Tradition
Er bezeichnet sich selbst als Optimist und sieht die Übergabe positiv: „Wenn man jemanden findet, der die Werkstatt übernimmt, ist es nicht ganz so schwer, wie wenn man alles ausräumen müsste.“ Immerhin hat die Werkstatt eine lange Tradition: 1894 hatte sein Großvater, Michael Haid I., die bereits damals alteingesessene Zinngießerei und Glaserei „Strohmair“ von seinem Onkel übernommen.
In den Folgejahren erweiterte er das Sortiment des Handwerksbetriebs um Bierseidel, Zinnkrüge, -teller und -schalen, um Steingutwaren, Besteck, Porzellanservice, Einmachgläser - kurz: vieles, was im Haushalt gebraucht wurde. Damit legte er gewissermaßen den Grundstein für das heutige Fachgeschäft in der Maximilianstraße, das neben Zubehör fürs Kochen und Speisen auch Geschenkartikel und Sportwaffen anbietet.
Die Glaserei hatte inmitten des immer größer werdenden Sortiments irgendwann keinen Platz mehr und zog zuerst in die Inselstraße und dann in die jetzigen Räume in der Fellhornstraße. Haid und sein Sohn beschäftigten sich dort mit allem, „was man aus Flachglas machen kann“, und ihr Nachfolger Heinz-Uwe Taraba will es genauso halten. Ihm ist seine Werkstatt in Kaufbeuren im Laufe der Jahre zu klein geworden, schon seit mehreren Wochen suchte er nach Ersatz.
„Wenn ich ehrlich bin, bin ich seit etwa einem halben Jahr an der Glaserei von Herrn Haid vorbeigefahren und habe mir gedacht: Das wäre meine Werkstatt“, erzählt Taraba. Den Inhaber anzusprechen, hätte er sich jedoch nicht getraut. Erst ein Zufall hat die beiden zusammengeführt: Ein Bekannter Tarabas kannte jemanden, der von Haids Übergabeplänen wusste und brachte die beiden zusammen. Sie sprechen von einer „glücklichen Fügung für alle Beteiligten“.
Taraba, der seit 26 Jahren Glaser und etwa halb so lange Meister dieses Berufs ist, will den Betrieb zum 1. April nahtlos übernehmen. Für die Kunden soll der Wechsel nicht bemerkbar sein. Haid aber wird ihn natürlich schon spüren: „Etwas fehlt mir sicherlich“, sagt er und fügt lächelnd hinzu: „Aber ich geh dann halt zwischendurch zum Herrn Taraba hinauf.“ Dort, dass hat dieser bereits versichert, ist Haid jederzeit willkommen. |